In publica commoda

Presseinformation: Zucker-Steuer hat mehr Rückhalt als gedacht

Nr. 43 - 12.03.2020

Göttinger Forschungsteam untersucht Bürgerakzeptanz für ernährungspolitische Maßnahmen


(pug) Der Anstieg ernährungsbedingter Erkrankungen führt zu hohen gesellschaftlichen Folgekosten. Im internationalen Vergleich ist die deutsche Politik jedoch bisher zurückhaltend mit politischen Interventionen, die ein gesundes Ernährungsverhalten der Bürgerinnen und Bürger unterstützen. Stärkere Eingriffe wie Lenkungssteuern oder Verbote in der Bevölkerung seien unpopulär, so die Befürchtung. Forscherinnen und Forscher der Universität Göttingen zeigen nun jedoch: In Deutschland gibt es einen deutlichen Rückhalt für ernährungspolitisches Handeln. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nutrients erschienen.

 

Die Forscherinnen und Forscher der Abteilung für Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte der Universität Göttingen haben in einer Online-Befragung mehr als 1.000 Verbraucherinnen und Verbraucher zu verschiedenen, aktuell diskutierten Maßnahmen wie Werbeverboten für Kinderlebensmittel mit hohem Zuckergehalt und Zucker- sowie Softdrink-Steuern befragt. Die Gruppe der Befragten entspricht im Alter, Geschlecht, Bildung und Region dem Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. Insgesamt befürworten gut 60 Prozent der Bürger ernährungspolitisches Handeln des Staates. Je nach Instrument zeigen sich Zustimmungswerte zwischen 34 und 79 Prozent. Ein Viertel der Befragten ist beim Thema Ernährungspolitik gleichgültig. Lediglich 11 Prozent sind grundsätzlich ablehnend.

 

Ein zentrales Forschungsergebnis ist, dass die Bewertung von ernährungspolitischen Instrumenten nicht zwangsläufig davon abhängt, wie schwer es jemandem fällt, sich gesund zu ernähren. Die Vermutung, dass sich zum Beispiel Menschen mit einer Leidenschaft für Süßes eher gegen eine Zucker-Steuer aussprechen, bestätigt sich nicht. Rund 17 Prozent der Befragten, die solche Schwierigkeiten einräumen, befürworten deutlich weitreichende staatliche Einflussnahme. Rund 12 Prozent hingegen lehnen sie ab. Bei Menschen, die sich gesund ernähren, befürworten 33 Prozent ernährungspolitische Maßnahmen. Aber auch hier gibt es bei 12 Prozent der Befragten eine ablehnende Haltung.

 

„Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass Ernährungspolitik eine breite Unterstützung in der Bevölkerung hat, die aber auf unterschiedlichen Motiven beruht“, so Kristin Jürkenbeck, Doktorandin und Hauptautorin der Studie. „Die Politik hat die Forderungen von Ärzteorganisationen und Krankenkassen nach einem entschlossenen Vorgehen im Kampf gegen ungesunde Ernährung bisher häufig mit dem Verweis auf eine fehlende gesellschaftliche Akzeptanz zurückgewiesen. Diese Argumentation ist zu pauschal“, sagt Dr. Anke Zühlsdorf, Projektleiterin der Studie, die im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbandes e.V. durchgeführt worden ist.

 

Originalveröffentlichung: Jürkenbeck, K., Zühlsdorf, A., Spiller, A. (2020), "Nutrition Policy and Individual Struggle to Eat Healthily: The Question of Public Support", Nutrients 2020, 12(2), 516; https://doi.org/10.3390/nu12020516


Kontakt:

Kristin Jürkenbeck

Georg-August-Universität Göttingen

Fakultät für Agrarwissenschaften

Abteilung für Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte

Platz der Göttinger Sieben 5, 37073 Göttingen

Telefon: 0551 39-26245

E-Mail: kristin.juerkenbeck@uni-goettingen.de

https://www.uni-goettingen.de/de/558452.html